
Loop Marketing ersetzt den Funnel durch Wachstumsschleifen. Lerne Arten, Formeln, KPIs, Beispiele und ein Q&A – für planbares, selbstverstärkendes Wachstum.
Einleitung: Warum Loop Marketing heute gewinnt
Du willst planbar wachsen, ohne ständig mehr Budget zu verbrennen? Loop Marketing baut auf Schleifen, die sich selbst speisen. Jede Aktion erzeugt Input für die nächste. So sinken Akquisekosten, CLV steigt und dein System wird mit jeder Runde besser.
Ursprung: Von Funnels zu Growth Loops
Der klassische Funnel endet beim Kauf. Loops beginnen dort neu. Pioniere der Growth-Szene beschrieben diesen Wechsel als Schritt von „Kampagnen“ zu Mechaniken. Wichtig ist nicht die eine Taktik. Wichtig ist der Kreislauf, der wieder und wieder wirkt.
Definition: Was ist Loop Marketing?
Loop Marketing ist die Gestaltung von Marketing-Mechaniken, bei denen der Output eines Zyklus zum Input des nächsten wird. Das können Nutzer, Content, Daten, Empfehlungen oder Cashflows sein. Ziel ist ein Netto-Positiv-Effekt pro Durchlauf.
Die vier Bausteine jeder Schleife
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Trigger: Was startet die Runde.
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Value Moment: Wann spürt der Nutzer echten Nutzen.
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Contribution: Welche Aktion erzeugt neuen Input.
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Reinforcement: Was verstärkt die nächste Runde.
Merksatz: Ohne Contribution bleibt es nur ein Funnel.
Formeln & Kennzahlen: So rechnest du Loops
Du brauchst wenige, klare Größen. Sie zeigen Tempo und Stärke.
Viralitätsfaktor (k)
k = i × c
i = Einladungen pro aktiver Nutzer, c = Einladungs-Conversion.
k > 1 → selbsttragend. k < 1 → Verstärker, aber nicht autark.
Loop Gain (Schleifen-Ertrag)
Loop Gain = erzeugte neue Einheiten ÷ eingesetzte Einheiten je Zyklus
„Einheiten“ können Nutzer, qualifizierte Besuche, Content-Pieces oder € sein.
Zykluszeit (T)
T = durchschnittliche Dauer einer vollständigen Runde.
Grobe Wachstumsrate
g ≈ (Loop Gain − 1) ÷ T
Retention als Multiplikator
Aktiver Bestand_{t+1} = Aktiver Bestand_t × R + Neu_t
R = Retentionsrate pro Periode. Hohe R verstärkt alle Loops.
Arten von Loops: Fünf praxistaugliche Muster
Wähle zwei Kern-Loops. Skaliere diese zuerst.
1) Referral-Loop
Trigger: Aha-Moment.
Contribution: Einladung, Code teilen, doppelter Bonus.
KPIs: k, Aktivierung, Einladungs-Conversion, T.
Mini-Beispiel: SaaS gibt pro erfolgreicher Einladung 1 Gratis-Sitzplatz.
2) Content-SEO-Loop
Trigger: Neuer, suchintenter Content.
Contribution: Backlinks, interne Links, UGC-Beispiele.
KPIs: Organische Sessions, SERP-CTR, Ranking-Gewinne.
Mini-Beispiel: Template-Hubs, die Nutzer referenzieren und verlinken.
3) UGC/Community-Loop
Trigger: Niedrigschwelliger Erst-Beitrag.
Contribution: Fragen, Antworten, Reviews, Vorlagen.
KPIs: Beiträge/Tag, Anteil neuer Poster, Retention.
Mini-Beispiel: Vorlagen-Galerie mit „Upload & teilen“-Anreiz.
4) Paid-zu-CRM-Loop
Trigger: Kauf oder Lead aus Paid.
Contribution: Review, Referral, Abo-Upgrade.
KPIs: iROAS, Payback, CLV/CAC, Repeat-Rate.
Mini-Beispiel: D2C-Flow mit Post-Purchase-E-Mails und Friend-Code.
5) Produkt-Nutzen-Loop
Trigger: Feature aktiviert, Daten verknüpft.
Contribution: Daten importieren, Projekte anlegen, Automationen nutzen.
KPIs: Time-to-Value, Feature-Adoption, Net Retention.
Mini-Beispiel: Analytics-Tool, das mit jedem verknüpften Konto besser wird.
Loop Marketing aufsetzen: So startest du ohne Overkill
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Ein Kernziel wählen. Mehr Nutzer, mehr Content oder mehr €?
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Value Moment definieren. Der Aha-Moment muss in Minuten liegen.
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Contribution konkretisieren. Eine Aktion, nicht fünf.
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Reibung halbieren. Felder kürzen, Defaults setzen, Trust sichtbar machen.
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Zykluszeit messen. Events für Trigger, Value, Contribution, Reinforcement.
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Incentives ehrlich halten. Klein, häufig, beidseitig.
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Guardrails setzen. Anti-Spam, Qualitätsmetriken, Fraud-Checks.
KPIs & Dashboard: Schlank, aber scharf
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Loop Gain und k (falls relevant).
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T (Zykluszeit) und Aktivierungsrate.
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Retention R (täglich/wöchentlich/monatlich).
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CLV/CAC oder iROAS je Loop.
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Qualitäts-Proxy: NPS/CSAT, Review-Qualität, „aktive“ Referrals.
Regel: Erst Relevanz (Aktivierung, k), dann Wirtschaft (CLV/CAC).
Governance & Risiken: Loops ohne Nebenwirkungen
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Spam vorbeugen: Rate Limits, Captcha, Invite-Fraud-Detektion.
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Qualität sichern: Nur „aktive“ Einladungen belohnen.
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UGC schützen: Moderations-Queue, klare Community-Standards.
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Ethik & Einwilligung: Saubere Opt-ins, transparente Vorteile.
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Messdisziplin: Experimente dokumentieren, Kill-Kriterien nutzen.
Zwei kurze Praxisfälle
B2B-SaaS (Referrals + Produkt-Nutzen)
Aha in 10 Minuten durch Muster-Dashboard. Nach dem Aha erscheint der Invite-Nudge. Ergebnis: k von 0,25 auf 0,6, T von 7 auf 3 Tage. Net Retention steigt sichtbar.
E-Com (Paid-zu-CRM + UGC)
Nach Kauf startet ein 3-Stufen-Flow: Review, Foto-UGC, Friend-Code. iROAS steigt durch Wiederkäufe. UGC verbessert SERP-Snippets. Loop Gain wird > 1,1.
Q&A: Häufige Fragen zu Loop Marketing
Wie unterscheidet sich Loop Marketing vom Funnel?
Ein Funnel endet nach dem Kauf. Ein Loop nutzt das Ergebnis, um die nächste Runde zu starten. So entsteht compounding Wachstum.
Brauche ich zwingend Viralität (k > 1)?
Nein. Auch k < 1 kann stark sein, wenn T kurz ist und CLV/CAC passt. Viralität ist ein Bonus, kein Muss.
Welche zwei Loops sollte ich zuerst aufsetzen?
Eine produktnahe Schleife (z. B. Produkt-Nutzen) und eine verbreitungsnahe Schleife (z. B. Referral oder Content-SEO). So wirken Nutzen und Reichweite zusammen.
Wie finde ich den Value Moment?
Beobachte die erste Handlung, nach der Retention sprunghaft steigt. Nutze Kohorten-Charts und Session-Replays. Der Value Moment sollte in Minuten spürbar sein.
Was ist eine gute Contribution?
Die einfachste Aktion, die qualifizierten Input erzeugt. Beispiele: Einladung senden, Review abgeben, Template hochladen, Datenquelle verbinden.
Welche Incentives funktionieren am besten?
Kleine, ehrliche, beidseitige. Beispiel: Einladender und Eingeladener bekommen einen klaren, sofort spürbaren Vorteil.
Wie messe ich Loop Gain in Content-Loops?
Zähle neue qualifizierte Organik-Sessions oder Backlinks, die ein Content-Piece in den Wochen nach Veröffentlichung erzeugt. Teile durch den Produktions-Input.
Wie kurz sollte T sein?
So kurz wie möglich. Ziel sind Minuten bis Tage, nicht Wochen. Kürze Schritte, automatisiere, zeige Fortschritt.
Was sind typische Anti-Pattern?
Zu viele Loops parallel, vage Contribution, Incentive-Inflation, fehlende Messpunkte, reines Funnel-Reporting.
Wie überzeuge ich Stakeholder?
Zeige ein kleines Before/After: k, T und CLV/CAC vor und nach einer Loop-Änderung. Visualisiere den Kreislauf in einem einfachen Diagramm.
Häufige Fehler – und schnelle Gegenmittel
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Zu breite Contribution. → Eine Aktion definieren.
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Kein Signal im Value Moment. → Micro-Success sichtbar machen.
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Nur Kampagnen denken. → Dauerhafte Mechanik bauen.
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Keine Guardrails. → Missbrauch früh begrenzen.
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Zykluszeit ignorieren. → T ins Dashboard, wöchentlich prüfen.
Fazit: Schleifen statt Strohfeuer
Loop Marketing ersetzt kurzlebige Peaks durch wiederholbare Mechaniken. Du definierst Value Moments, senkst Reibung, förderst Contribution und misst k, T, R sowie Loop Gain. So entsteht dauerhaftes, selbstverstärkendes Wachstum mit Loop Marketing.
Zusammenfassung
| Bereich | Kernaussage | Formel/KPI | Nächster Schritt |
|---|---|---|---|
| Konzept | Output wird Input | Loop Gain | Contribution definieren |
| Viralität | Einladungen skalieren Reichweite | k = i × c | Invite-Flow testen |
| Tempo | Kurze Zyklen verstärken | T (Cycle Time) | Schritte kürzen |
| Bindung | Bestand multipliziert Effekt | R (Retention) | Onboarding schärfen |
| Wirtschaft | Nur mit Rendite skalieren | CLV/CAC, iROAS | Gewinner-Loop ausbauen |
Quellen
- Andrew Chen – The Cold Start Problem
- Brian Balfour – Growth Loops Essays
- Casey Winters – Notes on Sustainable Growth
- Lenny Rachitsky – Loops vs. Funnels
- Harvard Business Review – Viral Coefficients & Network Effects





