Nach zwei oder drei Quartalen mit OKRs stellt sich in vielen Unternehmen eine leise Ernüchterung ein. Die Ziele sind im Tool, die Check-ins stehen im Kalender, aber so richtig verändert hat sich nichts. Ist das normal, oder läuft etwas schief?
Daniel Montgomery von Agile Strategies hat dazu fünf Fragen formuliert, mit denen Führungskräfte den Zustand ihres OKR-Programms prüfen können. Ich finde sie so hilfreich, dass ich sie hier vorstelle und mit eigenen Hinweisen ergänze.
1. Sehe ich einen klaren Zusammenhang zwischen den OKRs der Teams und unserer Strategie?
Als Führungskraft solltest du von jedem Key Result eine Linie ziehen können: zum Nutzen für den Kunden und zu den Fähigkeiten, mit denen ihr euch vom Wettbewerb abhebt. Jedes Team sollte erklären können, wie seine OKRs zu den strategischen Schwerpunkten und den OKRs des Unternehmens beitragen.
Das setzt voraus, dass die Führung die Strategie als verständliche Geschichte erzählen kann. Wenn Teams nicht wissen, wie ihr gewinnen wollt, können sie auch keine OKRs schreiben, die dazu beitragen. Wie du die Strategie in OKRs übersetzt, beschreibe ich im Artikel OKRs bringen die Strategie zum Leben.
2. Werden die Teams immer engagierter, oder machen manche nur Dienst nach Vorschrift?
Engagierte Teams machen sich ihre OKRs zu eigen. Sie setzen sich ehrgeizige Ziele und erreichen viele davon. Teams, die nur mitmachen, haken Pflichtfelder ab.
Woran du den Unterschied erkennst:
- Wie oft trifft sich das Team zu seinen OKRs? Wöchentlich, alle zwei Wochen, einmal im Monat oder erst kurz vor Quartalsende?
- Wie gut sind diese Treffen? Gibt es Moderation, Feedback und Coaching?
- Wie reden die Leute über OKRs? Als hilfreiches Werkzeug oder als lästige Pflicht?
- Bekommen Teams Hilfe, wenn sie sich schwertun?
3. Werden die OKRs von Quartal zu Quartal besser geschrieben?
Niemand schreibt im ersten oder zweiten Quartal perfekte OKRs. Nach zwei bis drei Zyklen sollte die Qualität aber sichtbar steigen. Gute OKRs erkennst du an diesen Merkmalen:
- Ehrgeizig, aber nicht verrückt.
- Key Results beschreiben messbare Ergebnisse, keine Aufgaben.
- Sie zahlen auf einen Nutzen für Kunden ein, extern oder intern.
- Sie sind wenige. Als Richtwert nennt Montgomery drei Objectives mit je drei Key Results.
- Das Team schreibt sie gemeinsam, statt die Aufgabe an ein oder zwei Personen abzugeben.
Um die Qualität beurteilen zu können, brauchen Führungskräfte selbst Übung und Coaching-Fähigkeiten. Praktische Hilfe findest du in den Artikeln Wie du effektive OKRs schreiben kannst und Alles, was du über OKR-Objektive wissen musst.
4. Gibt es immer mehr OKRs, die mehrere Bereiche gemeinsam verfolgen?
Viele wichtige Ergebnisse kann ein Team allein nicht erreichen. Nach zwei bis drei Quartalen sollten deshalb mehr OKRs entstehen, die Marketing, Vertrieb, Produkt und Service gemeinsam tragen. Als Führungskraft kannst du das aktiv fördern, indem du klar sagst, dass solche gemeinsamen Ziele erwünscht sind.
Hier passen OKRs gut zu agilen Organisationen, in denen Teams ohnehin bereichsübergreifend arbeiten. Mehr dazu im Artikel Was ist Cross Functional Alignment.
5. Nutze ich OKRs selbst als Führungswerkzeug?
Die letzte Frage richtet sich an dich persönlich. OKRs sind eine gemeinsame Sprache, mit der du Vision und Strategie in Handlung übersetzt und immer wieder daran erinnerst, was wichtig ist. Montgomery beschreibt einen Geschäftsführer, der „OKR spricht“: Er fragt Mitarbeitende im Flur nach den OKRs ihres Teams und leitet selbst alle zwei Wochen den Check-in der Geschäftsleitung.
Beantworte die Fragen 1 bis 4 deshalb auch für dein eigenes Team. Wenn OKRs bei dir selbst nicht zu abgestimmtem Handeln führen, sieht das die ganze Organisation.
Mein Fazit
Die fünf Fragen lassen sich in einer halben Stunde beantworten, und sie zeigen schnell, wo es hakt. Mein Tipp: Stell sie dir am Ende jedes Quartals, am besten zusammen mit deinem Führungsteam. Schreibt die Antworten auf, dann seht ihr nach einem Jahr, ob sich etwas verbessert hat.
Wenn die Antworten ernüchternd ausfallen, hilft oft ein Blick auf die 20 häufigsten Fehler bei OKRs oder auf das evolutionäre OKR-Reifemodell. Alle Artikel zum Thema findest du im Handbuch-Kapitel OKR.
Quelle: Agile Strategies: Is your OKR program delivering? Five questions leaders should ask about their OKRs



